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gekürt 26|07
 
Zwischen Nichtmehr und Nochnicht

Ein Ort mit Geschichte: Auf dem Gelände des Friedhofs von Erlenbach am Zürichsee fand man Grabstätten aus dem Frühmittelalter und der Jungsteinzeit. Ende des 19. Jahrhunderts baute Architekt Friedrich Wehrli die neugotische Kirche, und die Gemeinde legte den Friedhof nach einem Entwurf des Landschaftsarchitekten Evariste Mertens an. Allerdings wurde er in den 1970er-Jahren stark verändert.

Aussen- und innenräumlich sensibel: Siegerprojekt von Andreas Fuhrimann und Gabrielle Hächler
Rund dreissigjährig ist auch das Friedhofsgebäude, dessen Infrastruktur und Aufbahrungsräume den heutigen Bedürfnissen nicht mehr genügen. Abschieds- und Bestattungsrituale haben sich verändert, es braucht heute unter anderem Kühlräume, wo die Verstorbenen – wenn etwa die Angehörigen von weither anreisen – mehrere Tage aufgebahrt werden können.
Zweitrangiertes Projekt von EM2N
Erlenbach veranstaltete deshalb einen Architekturwettbewerb für ein neues Friedhofsgebäude mit Aufbahrungs- und Besucherräumen sowie einigen Infrastrukturbereichen. Teilnehmen konnten Erlenbacher Büros sowie sechs zusätzlich Eingeladene. Die Aufgabe erforderte Sensibilität – was die Anordnung und Atmosphäre der Räume, aber auch was die landschaftliche Setzung im Friedhof betrifft. Das Siegerprojekt von Andreas Fuhrimann und Gabrielle Hächler zeige «bereits in vielen Aspekten stimmige Lösungen», schreibt die Jury. Es überzeuge als Ganzes, weil es gut in die Situation verankert sei, und innenräumlich viel verspreche. Das kleine Bauvolumen führe zudem zu günstigen Erstellungskosten.
1. Preis: Andreas Fuhrimann, Gabrielle Hächler
2. Preis: EM2N Mathias Müller Daniel Niggli
3. Preis: Bétrix & Consolascio Architekten
4. Preis: Rudolf Fontana & Partner AG
Die Aufgabe ist nicht ohne Wirkung auf die Projektnamen geblieben: «Zwischen Nichtmehr und Nochnicht», «In Perpetuum», «Jenseits-Diesseits», «Memoria», «Wellen», «Würde», «Zeitfluss»... Die Architekten ergriffen die Gelegenheit, sich einmal poetisch geben zu dürfen.

Rahel Marti