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geknistert 10|08
 
Heisse Eisen, kalter Schweiss: Ein BSA-Kamingespräch

Eine der Jubiläumsaktionen zum 100. Geburtstag des Bundes Schweizer Architekten (BSA) heisst Kamingespräche (mehr dazu hier). An dieser Stelle führe ich ein fiktives Gespräch mit meinen Leserinnen und Lesern. Über Architektur, über ArchitektInnen, über Gott und die Welt. Es folgt der Stand nach Diskussionsrunde 3 (28.02.–05.03.). Die neu hinzu gekommenen Wortmeldungen sind kursiv.
Bild: flickr/mkflash
Axel Simon, Zürich: Wofür ist gute Architektur eigentlich gut?

Cornelius Morscher, Basel: Gute Architektur ist praktisch, damit man die schlechte besser erkennt.

Sigrid Hausherr, Illnau: Aber wer bestimmt, wann Architektur gut ist?

Oliver Brandenberger, Basel: Und weshalb ist schlechte Architektur eigentlich schlecht?
 
Werner K. Rüegger, Zürich: Gute Architektur ist, wenn man sich darüber mit seinen engsten Freunden ereifert.
 
Stefan Kurath, Zürich: Es ist müssig darüber zu sprechen, was gute Architektur ist oder ausmacht. Die Antwort ist abhängig von Denkstilen und Denkkollektiven.

Pavel Plániãka, Ústí nad Labem (CZ): Gute Architektur ist gut, weil sie gut ist. Häufig ist das nur ein Gefühl. Ist das wenig? Leistung + Schönheit + Poesie? Ehrlich gesagt – ich weiss nicht.

Wer weiss denn, warum sich die Architekten soviel Mühe geben, gute Architektur zu machen?

Stefan Kurath, Zürich: Gute Architektur ermöglicht es dem Architekten ein gutes Gefühl zu haben – auch wenn er mit seiner Arbeit nicht viel Geld verdient. Es ist also reiner Eigennutz, maskiert mit dem Argument, Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrzunehmen.

Gilt das nur für BSA-Architekten?
 
Stefan Kurath, Zürich: Nein. Eigennutz kann Antriebskraft aller gesellschaftlichen Prozesse sein.

Sigrid Hausherr, Illnau: Nicht nur BSA-Architekten sollten sich bemühen gute Architektur zu machen, da sind alle gefordert. Kann ein Verband überhaupt für die Qualität der Arbeit seiner Mitglieder bürgen? Und damit zurück zum Anfang: Was sind überhaupt die Eigenschaften guter Architektur?

Paul Degonda, Chur: Wie sie die Frage stellen, Herr Simon, ist IHRE gute Architektur gut zum publizieren. Architektur hat nichts mit «gut» am Hut. Was ist überhaupt Architektur? Alfred Roth hat 1951 im Werk bereits die Antwort geliefert.

Alfred Roth, Zürich: Architektur ist und bleibt gestalteter Raum und Baukörper, dem Menschen zum praktischen Nutzen und zur ästhetischen Freude. Verstand, Gefühl, Geist verleihen ihr Klarheit, Wärme, Glanz…
 
Mit Verlaub, Herr Roth, das ist recht allgemein formuliert.
 
Alfred Roth, Zürich: …Sinnhaftigkeit, Ordnung und Erhabenheit sind die Kennzeichen echter Baukunst, deren Schönheit sich unmittelbar, also ohne verstandesmässige Deutung mitteilen will.

Gut gesprochen! Oder ist jemand der Meinung, das sähe heute anders aus?
 
Johannes Stoffler: So gesehen ist da kaum was dagegen einzuwenden. Aber liest man den Text von Alfred Roth ganz, geht es um etwas Anderes. Er ist ein Abgesang auf eine gemässigten Moderne, die den Dialog mit der Tradition suchte, und beschwört statt dessen die Wiedergeburt der Avantgarde der 1920/30er Jahre. Das kann es doch heute nicht mehr sein!
 
Geht es heute nur noch im Dialog mit der Tradition?
 
Peter Meyer, Zürich: Europa denkt Griechisch, sofern es überhaupt 'denkt'.
 
Alfred Roth, Zürich: Oh nein, nicht der schon wieder!

...
 
hier könnte nächste Woche Ihre Antwort stehen. Oder Ihre Frage, Ihr Statement, Ihr Lieblingszitat. Machen Sie mit und schreiben Sie an as@swiss-architects.com! (Falls Sie noch Genaueres zu Ablauf und Spielregeln erfahren möchten, lesen Sie weiter.) Die bisherigen «Gesprächsteilnehmer» sind natürlich aufgerufen, sich kräftig weiter zu Wort zu melden. Weiter so!
Bild: flat graphics & communication
Der Ablauf

Aus den eingehenden Fragen, Antworten und Kommentaren wähle ich mehrere aus, montiere daraus den Fortgang des Gespräches und stelle es eine Woche später an dieser Stelle zur Diskussion. Einige Wochen später haben wir (Ihre rege Mitarbeit vorausgesetzt) ein fiktives Gespräch, dass hier im Magazin – hoffentlich – für Unruhe sorgen wird und später, in der geplanten Jubiläumspublikation des BSA, zur Ruhe kommt. Zur Belohnung trinke ich mit allen Wortmelderinnen und -meldern ein Bier – auf Kosten und Wohl des BSA. Zeit und Ort wird noch bekannt gegeben.

Die Spielregeln

1. Kein Thema ist tabu.

2. Eine Wortmeldung kann aus einer Antwort, einer Frage oder einem Statement bestehen.

3. Eine Wortmeldung muss NICHT zwangsläufig auf die letzte Bezug nehmen, sie kann auch neue Themen setzen.

4. Das ist kein Blog, die Beiträge werden redigiert.
 
5. Ihre Reihenfolge bestimme ich.

6. Eine Wortmeldung soll maximal aus drei Sätzen bestehen, besser aus einem. Zu langes wird gekürzt.

7. Jede Wortmeldung muss mit dem vollständigen Namen des Verfassers/der Verfasserin gekennzeichnet sein plus Ort.

8. Das Gespräch darf an jeder Stelle fortgesetzt werden, auch mittendrin.

9. Der aktuelle Stand des Gespräches wird wöchentlich im Magazin veröffentlicht.
 
10. Wortmeldungen mit dem Betreff Kamingespräch an as@swiss-architects.com.
 
Axel Simon