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Podest 43|08
 
Reduktion und Abstraktion

V. Mansberg Wiskott gewinnen den Wettbewerb um das Seminargebäude für die Hamburg School of Business Administration. J. v. Mansberg
stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

Worin liegt die Besonderheit Ihres Vorschlags?

Der Fassadenaufbau ist mehrschichtig. Äußerlich bestimmen die stark vertikalen Fassadenrahmen die Gestalt. Die erste Glasschicht schützt den vor der eigentlichen Fensterkonstruktion liegenden Sonnenschutz. Die geschosshohen Fensterelemente sind konventionell zu Lüftungszwecken zu öffnen. Raumseitig sind, ebenfalls motorisch und raumweise bedienbar, Blendschutz bzw. Verdunkelungsscreens vorgesehen. Für geschlossene Wandbereiche werden mittels LED hinterleuchtete, mattierte Glaselemente vorgeschlagen, die zum Bestandteil des zukünftigen Beleuchtungskonzeptes für den Platz werden können. Im Inneren des Gebäudes sollen warme Holzoberflächen einen bewussten Kontrast zur Fassadenkonstruktion aus Spezialweiss - Eloxal bilden. Das Fassadenraster folgt einem halbiertem Achsraster von 1,35 m. Entstehen soll eine konzentrierte, atmosphärisch dichte und zugleich unprätentiöse Arbeitsatmosphäre. Die innere und äußere Fügung erzeugt in der Fassade einen Ausdruck analog zu einer präzisen Schichtung unterschiedlich dimensionierter Kuben.

Wie haben Sie auf den Kontext reagiert?


Übergeordnetes Ziel war, Identität und Charakter des Neubaus durch eine ausdrucksstarke Reduktion und Abstraktion zu erzeugen. Zurückhaltende Einfügung in das bestehende Gebäudeensemble einerseits und das Selbstbewusstsein eines neuen Auftrittes am Adolphsplatz anderseits sollten auf diese Weise zur Synthese gebracht werden. Als Reaktion auf die Besonderheit des Ortes wird eine minimalistische Entwurfskonzeption vorgeschlagen: Ein schmal gesetzter und zugleich betont vertikaler Fassadentakt umhüllt den Baukörper. Wenige, jedoch sehr absichtsvoll eingefügte, plastische Zäsuren nehmen Bezug auf die Tektonik der Handelskammer selbst und auf die Höhen benachbarter Gebäude. Oberhalb der ersten horizontalen Fassadenzäsur bilden zwei Geschosse mit Seminar- und Gruppenräumen eine funktionale Einheit. Die darüber liegende Zäsur in der Fassade entspricht etwa der Gesimskante der Säulenordnung der Handelskammer und verweist zugleich auf die Höhenschichtung des nordöstlich anschließenden Nachbargebäudes.
 
Worin lag die Herausforderung der Aufgabenstellung?

Die Konstruktion forderte uns heraus; wir schlagen eine Stahl/Stahlbeton-Verbundkonstruktion vor: eng gesetzte horizontale und vertikale Stahlträger bilden ein Gerüst, welches aus der gegebenen, stark asymmetrischen Gründungssituation unter Ausnutzung der unterhalb des Saales verstärkt ausführbaren Deckenebene für alle darüber folgenden Geschosse annähernd gleichmäßig auf die Längsseiten abtragbare Lasten ermöglicht. Technisch anspruchsvoll ist der Lastabtrag in den Untergrund, der über Bohrpfähle im zulässigen Abstand zur Wandung des U-Bahntunnels erfolgt. Die Einleitung der Lasten in die Pfahlgründung geschieht über ein Verteilerfundament im geometrischen Gründungsfenstern und Zusammenleitung der Vertikallasten über verstärkte, auskragende Träger unterhalb der Saal-Ebene.


Das eMail-Interview führte Peter Petz
 
Die gesamte Wettbewerbsdokumentation finden Sie in wa 11/2008