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Personen, Preise, Pointen |
|  | |  | Planwerk Revisited Versprengt in Gruppen, Grüppchen und Ressorts ist heute Berlins Stadtdiskurs. Viel und leidenschaftlich wird über die unterschiedlichsten Stadtquartiere gestritten, über das Schloss, den Flughafen Tempelhof, das Media-Spree-Gebiet oder den Molkenmarkt, doch eine Debatte über die Zukunft der Stadt als Ganzes wird kaum mehr gewagt. Ein Grund? Schwer trägt Berlin an seinem Erbe des Stimmanschen Planwerks, das allzu starre, aus dem 19. Jahrhundert entlehnte Planraumfiguren auf die Innenstadt oktroyierte, deren Anpassung an die Realität des 21. Jahrhunderts fast nur Konflikte provoziert anstatt intelligente Interessensausgleiche zu ermöglichen. Die Folge? Das Interesse der Öffentlichkeit und Politik wechselt in Berlin nur noch reflexartig von Brandherd zu Brandherd ohne über die fragwürdigen Grundlagen ihrer Handlungen nachzudenken. Gegen diesen Umstand versucht nun eine Veranstaltungsreihe der Hermann-Henselmann-Stiftung anzugehen, die am 9. November 2008 zu einer Konferenz mit dem Thema "Planwerk Revisited" in die Architektenkammer Berlin einlud. Furios war ihr Vormittagsprogramm mit einem Plädoyer des Planwerk-Befürworters Harald Bodenschatz, der eine überraschend profunde Kritik am "Planwerk Innenstadt" lieferte. Er forderte u.a. dessen Öffnung für Zwischennutzungen, die Peripherien der Innenstadt und eine stärkere soziale Rückbindung ein, die eine Ablösung von den Raumbildern zugunsten differenzierter Strategien bedeuten würden. Wie jedoch die ohnehin schon überlasteten Verwaltungen dies leisten könnten, blieb er schuldig. Wie eng deren Handlungsrahmen heute ist, zeigte Ephraim Gothe, Baustadtrat von Mitte, am Beispiel mehrerer Projektgebiete auf. Entspannung bot Michael Koch mit seiner Analyse des Planwerks und Ausblicken auf neue Instrumente einer prozessualen Stadtentwicklung. Am Beispiel Leipzigs zeigte Stefan Rettich die vielen sozial und fiskalisch fragwürdigen Folgen heutiger Stadtentwicklungen auf. Sein Vortrag passte gut zu Peter Meyers Vorstellung seines "Werkplan Innenstadt", wie an vielen Orten das Planwerk an der Realität scheiterte und stadträumliche Brüche produzieren wird. Hoch interessant, aber sehr stadtbau- und bauhistorisch waren dagegen die Vorträge des Nachmittags, die West-Berlin gewidmet waren. Unfreiwillig tappte man in die Falle Stimmanns, indem man mehr über die richtige Interpretation der Geschichte sprach als über deren funktionale und soziale Realität sowie Strategien zu streiten. Zwischen Stadtdiskurs und der Thematisierung des baulichen Erbes der Moderne zerrieb sich so die erfreulich Dialog-offene Veranstaltung, die am Ende fast nur noch das Kulturforum thematisierte, dessen Umbau jedoch in weiter Ferne liegt. Die Kritik von Wolfgang Kil, dass man nun zuviel über Absichten als Rahmenbedingungen gesprochen hätte, war also zutreffend. Dennoch gelang erstmals wieder eine differenzierte Debatte über Berlin, die im Februar mit einer Konferenz zu Strategien fortgeführt werden soll. Dieser Konferenz möchte man auch ein jüngeres wie breiteres Publikum wünschen, das sich aktiver über alle Szenen hinweg an einem erneuerten Stadtdialog beteiligt.
Claus Käpplinger |
|  | |  Im diskursiven Verfahren entwickelte Ideen der Kölner Wettbewerbssieger feld72/ plansinn. | Es geht auch anders Letzte Woche berichteten wir über schlecht vorbereitete Wettbewerbe. Sie wurden ausgelobt, weil in wesentlichen Punkten keine Einigkeit bestand; die Architekten haben den Schaden. Diese Woche nun wird von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ein Bauherr explizit dafür ausgezeichnet, dass er das Instrument des Wettbewerbs so einsetzt, dass am Ende auch tatsächlich ein gutes Ergebnis steht. Der Ausloberpreis 2008 geht an die Niederlassung Aachen des Bau- und Liegenschaftsbetriebs Nordrhein-Westfalen. Verliehen wird der Preis am 13. November um 18 Uhr im Justizzentrum Aachen, das bei dieser Gelegenheit auch gleich besichtigt werden kann. Auch aus Köln hatten wir bereits von einem Verfahren berichtet, in dem die Auslober angesichts der besonderen Aufgabe neue Wege zu gehen bereit war. Beim Wettbewerb Bildungslandschaft Altstadt-Nord waren in einem mehrstufigen Verfahren Bildung und Stadtentwicklung als Ganzes betrachtet und entwickelt worden. Im Mai hatte man noch zwei vorläufige Sieger gekürt, nach der Überarbeitungsphase entschied nun die Jury unter dem Vorsitz von Roger Riewe, dass die Arbeit von feld72 und plansinn am besten geeignet sei, das Verfahren fortzusetzen. Das heißt konkret, dass ein Rahmenplan erstellt werden soll, so dass im nächsten Jahr zu bauen begonnen werden kann. Vorangegangen war ein intensiver Beteiligungs- und Diskussionsprozess mit den zukünftigen Nutzern sowie mit den Politikern der Bezirksvertretung. Derweil könnte in Stuttgart ein Projekt scheitern, ohne dass ein Wettbewerb ausgelobt worden wäre. Am 5. November sollte verkündet werden, wie es beim "Da Vinci Projekt" weitergeht, doch die Ansichten von Stadt und Land über das Bauvolumen gehen nach wie vor weit auseinander. Zusätzlich sorgt für Zündstoff, dass das Land hier etwas über 30 Quadratmeter pro Arbeitsplatz ansetzte. Die gehen nicht nur weit über das in der freien Wirtschaft übliche, sondern auch über die vom Land selbst vorgegebene durchschnittliche Bürogröße von etwa 21 Quadratmetern für den staatlichen Hochbau weit hinaus. Und damit nicht genug: ein offizielles Gespräch des Landes mit den Gemeinderäten wurde abgesagt, die CDU-Fraktion wurde einen Tag später aber doch exklusiv ins Finanzministerium geladen: Schmierentheater statt Baukultur. ch |
Bilder: Christian Schönwetter |  | |  | Inspirierende Inszenierungen Aus den zahlreichen Messen für Möbel und Einrichtungen hebt sich der Schweizer Designers’ Saturday vor allem durch eines hervor: die originelle und liebevolle Gestaltung der Messestände. Einen breiteren Überblick über aktuelles Möbeldesign bietet die imm cologne, eine größere Fülle an Produktneuheiten gibt es auf dem Salone di Mobile in Mailand zu sehen, doch nirgendwo werfen sich die Aussteller mit ihren Inszenierungen so ins Zeug wie in Langenthal. Nirgendwo finden sie aber auch eine so inspirierendes Umgebung vor: Ausgestellt wird nicht in Messehallen, sondern in einer alten Mühle und in den Fabriken einiger ortsansässiger Hersteller. Wo bis Freitagmittag noch die Maschinen rattern, schieben sich ab Samstagmorgen die Besucher durch die über Nacht aufgebauten Messestände. Die Inszenierungen nehmen daher häufig auch Bezug auf den umgebenden Raum. Der belgische Hersteller Modular Lighting Instruments etwa bespielte seine Fläche in der Werkhalle der Langenthaler Holzbaufirma Egger mit ruppigen Sperrholzkisten, in denen er seine Leuchten präsentierte. Eine vorgefundene Werkbank funktionierte er zum Empfangstresen um, den Boden bedeckte er mit Sägespänen, und das Standpersonal trug statt Anzug und Krawatte ein Handwerkeroutfit. So perfekt passte diese Präsentation in die Halle, dass man sie zunächst kaum wahrnahm. Umso größer dann der Aha-Effekt und die Überraschung über das sympathische Understatement. Teppichproduzent Ruckstuhl spielte mit dem Bild des fliegenden Teppichs. An der Decke seiner leergeräumten Lagerhalle befestigte er hunderte feiner Fäden, an denen ein gewellter Teppich frei im Raum hing. Die Fäden, kunstvoll miteinander verknüpft und effektvoll von Scheinwerfern angestrahlt, erinnerten an den Webprozess, der in einem der Nachbarräume unmittelbar an den Maschinen zu besichtigen war. Auch Studenten durften ausstellen. In der alten Mühle präsentierten sie den Lehrstuhl Innenarchitektur der Münchner Akademie der Bildenden Künste mit einer eigenwilligen Raumschöpfung. Als hätte eine Spinne die historische Holzkonstruktion mit ihren Fäden überzogen, spannten sich weiße kokonartige Gebilde zwischen Boden, Balken und Decke. Mal als Kugel zum Hineinsitzen, mal als Leuchtskulptur ausgebildet, bestanden die Objekte immer aus dem gleichen Material: einfachen Kabelbindern, tausendfach miteinander verknüpft. Diese Inszenierung gehörte zu den Preisträgern des Designers’ Saturday Awards, der seit diesem Jahr vergeben wird und die besten Präsentationen auszeichnet. Auch künftig dürfte sich der Weg nach Langentahl also lohnen, wann man sich für Messedesign und Szenografie interessiert.
Christian Schönwetter |
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