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Personen, Preise, Pointen |
|  | |  | Europan 2010: Verdichten, Aktivieren, Neuordnen Beeindruckende Teilnehmerzahlen und der internationale Anspruch wecken immer wieder Neugier auf die Ergebnisse der Europan-Wettbewerbe. Europaweit beteiligten sich zuletzt 2.400 Teams, 289 Projekte wurden für die deutschen Standorte eingereicht. Die jetzt bekannt gegebenen Ergebnisse des Wettbewerbs 2009 beziehen sich auf Planungsideen für Bottrop, Elmshorn, Dessau-Roßlau, Leisnig, Guben, Heidelberg, Forchheim, Nürnberg und München sowie Warschau in Polen. In diesen Städten sollten konkrete städtebauliche Projekte bearbeitet werden – in Bottrop die "Aktivierung der Innenstadt", in Dessau die "Stärkung urbaner Kerne", in Elmshorn die "Potenziale des Bahnhofsviertels", in Forchheim eine neue "urbane Schnittstelle", in Guben die "Verbindung von Bahnhof und Stadtzentrum", in Heidelberg die "Stadt an den Fluss", in Leisnig die "Vitalisierung des historischen Zentrums", in München eine "vertikale Multifunktionalität", in Nürnberg die "Möglichkeiten mit der neuen U-Bahn". Neun Preise wurde verliehen, und es gab zahlreiche Ankäufe. Für Bottrop sehen Javier Fernández aus Spanien und Ding Ting Chen (China) heitere Flower-Towers vor, um Menschen in die Innenstadt zu locken (Bild oben). Einen Preis erhielt Adrian Phiffer für seine Kritik an der Nürnberger Aufgabe und einen besseren Vorschlag zur Bebauung des Areals entlang einer gebogenen Straße. Online finden Sie alle Ergebnisse unter http://www.europan.de/europan10/sites.html. Mühselig ist es schon, die Jury-Protokolle jeweils komplett als PDF runterladen zu müssen. Die Abbildungen der Ergebnisse sind auch in der Vergrößerung leider nur schwer zu erkennen und zu lesen. Deutlich wird jedoch, dass Blobs und schiefe Solitäre neben homöopathischen Aktionen und traditionellem Städtebau die Vielfalt aufblitzen lassen, mit der die städtischen Probleme derzeit gelöst werden sollen. Zugleich berät man dieser Tage auf vielen Kongressen über die Stadt im Allgemeinen und Besonderen, im Tiefgründigen und Visionären – generell ist zu beobachten, dass die strukturelle Veränderung von Mobilität, also im Wesentlichen die Absurdität unseres Autoverkehrs, nicht angetastet wird. Da verspricht eine Ausstellung im Stuttgarter ifa ab dem kommenden Wochenende mehr – Genaueres dazu in unserem nächsten Newsletter in der KW 5|2010. Die Europan-Ausstellung der Ergebnisse im Brauhaus Dessau (ehemalige Schultheiss Brauerei), Brauereistraße 1, wurde am Freitag eröffnet, sie ist bis 12. Februar Mo-Fr von 10-16.30 Uhr zu sehen. ub |
|  | |  Abtreppung der Westfassade | DDR-Moderne oder Bauhaus Will man sich störender Bausubstanz entledigen, ist der Neubau eines Museums an Stelle des unerwünschten Gebäudes eine schöne Lösung. So dachte die Leitung der Weimarer-Bauhaus-Universität und initiierte zusammen mit der Klassik Stiftung und der Stadt Weimar den Neubau des Bauhaus-Museums am Standort der Mensa am Park. Die im November 1982 eröffnete Mensa am Park ist ein wichtiges Zeugnis der späten DDR-Moderne in Weimar. Sie ist eines der wenigen in Weimar erhaltenen Gebäude aus dieser Zeit und die einzige individuell geplante, noch bestehende Hochschulmensa der ehemaligen DDR. Sie liegt an einem zentralen Punkt des Hochschulgeländes, gilt als wichtigster Knotenpunkt des sozialen Miteinanders der Weimarer Studenten und bildet, zusammen mit den anderen Hochschulbauten am Standort Marienstraße, ein geschlossenes Ensemble mit dem Unesco Weltkulturerbe "Park an der Ilm". Auf Anfrage des Studentenwerks Thüringen im Dezember 2009 wurde das Bauvorhaben einer neuen Mensa bestätigt und somit der Abriss der bestehenden Mensa quasi besiegelt. Daraufhin eröffneten Architekten aus Weimar und Studierende der Bauhaus-Universität-Weimar eine Internetseite, um den öffentlichen Diskurs über den Umgang mit der Mensa und der Standortentscheidung des neuen Bauhaus-Museums zu fördern. Auch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege sprach sich gegen einen Abriss und Neubau der Mensa aus. Und die Föderation deutscher Architektursammlungen fragt, mit welchem Recht die Architektur der Bauhausmoderne über die der DDR-Moderne gestellt wird und somit den Abriss der Mensa in Weimar rechtfertigen soll. Mittlerweile macht eine Meldung vom 19. Januar 2010 aus der Thüringischen Allgemeinen Zeitung Hoffnung auf den Erhalt der Mensa. Endgültig wird über den Standort des Museums im Frühjahr entschieden, doch scheidet der Mensa-Standort Ilmenpark auf Grund zu umfangreicher Vorarbeiten und der Gefährdung des Weltkulturerbe-Status aus. Aber auch wenn das neue Bauhaus-Museum an anderer Stelle errichtet wird, scheint die Zukunft der Mensa ungewiss. Viele der Universitätsmensen in Thüringen müssen dringend modernisiert werden. Das Studentenwerk Thüringen hat, zusammen mit vier anderen Vorhaben für Mensen und Cafeterien die Sanierung der Mensa am Park im Zuge des Konjungturpakets II vorgeschlagen. Doch die Landesregierung traf eine andere Entscheidung. Es wurde an einem Kostenvergleich zwischen der Sanierung der alten Mensa und einem Neubau gearbeitet. Da bei einem Neubau eine geringere Gebäudegröße und Essenskapazität benötigt wird, ergeben sich die gleichen Kosten, die für die Sanierung der alten Mensa notwendig währen. So bleibt zu hoffen, dass die Landesregierung die für die Sanierung notwendige Finanzierung gewährleistet und die Mensa am Park nicht schon bald aus baurechtlichen oder hygienischen Gründen geschlossen werden muss. Denn eines ist klar, ob die Mensa gerade mal gefällt oder nicht, sie ist in jedem Fall historisches und architektonisches Zeugnis einer Epoche. Und sollte gerade deshalb erhalten werden. Franziska Quandt |
Bilder: Fürst Developments (oben und Mitte), Wulf & Partner (unten) |  | |  Forum K, Kreativquartier mit Mietwohnungen und Premiumwohnen (Bild oben) sollen nördlich der Straße "Am Kochenhof" gebaut werden, südlich davon das Scenario (Bild Mitte). Bereits fertig ist das nördlich der Kunstakademie gelegene Augustinum (Bild unten). | Killesberg reloaded Nicht nur die Debatte um das Projekt des neuen Hauptbahnhofs Stuttgart 21 erhitzt seit Jahren, ja schon Jahrzehnten die Gemüter von Architekten, Bürgern und Politikern, sondern auch die Zukunft des ehemaligen Messegeländes auf dem Killesberg. Deshalb machte es sich der Landesverband Baden-Württemberg des BDA zur Aufgabe, im Rahmen der Ausstellung "Killesberg reloaded" das Dickicht von Wettbewerben, Plänen und Zeitungsartikeln zu lichten. Eigentlich ist der Wechselraum für ein derart umfangreiches Thema zu klein. Trotzdem gelingt es den Kuratoren, den Besuchern einen fundierten Überblick über mehr als zehn Jahre Planungsgeschichte zu geben. Besonders empfehlenswert ist die Lektüre des Pressespiegels, der eigens für diese Ausstellung aufgearbeitet wurde. Die Debatte begann 1997, als der Gemeinderat beschloss, die Messe auf die Fildern zu verlegen und damit 18 Hektar in bester Innenstadtlage frei zu räumen. Man dachte an familienfreundliches Wohnen, eine Erweiterung der an das Gelände angrenzenden Kunstakademie, sprich ein Ort für die Kreativen und Normal- und Schlechtverdiener der Landeshauptstadt. Doch gleichzeitig sollte die Verwertung des bisherigen Messegeländes einen Erlös von "möglichst über 51,1 Mio. Euro" einbringen (Gemeinderatsbeschluss vom 24. April 1997). Um diese beiden höchst konträren Forderungen auf einen Nenner zu bringen und die geeignete Bebauung für den Killesberg zu finden, wurden seitdem acht Wettbewerbe ausgelobt, beginnend mit dem kooperativen Ideenwettbewerb "ZukunftKillesberg" 2004 und diversen Gutachten bis hin zu einem EU-weiten Investorenvergabeverfahren für die Wohnbereiche 3 und 4, der erst am 20. Juli 2009 entschieden worden war. Der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum und Platz für die kreativen Köpfe Stuttgarts löste sich in Wohlgefallen auf. Das Ergebnis ist ein Nobelquartier inklusive einer Seniorenresidenz mit 300 Wohnungen. Oberbürgermeister Schuster meinte dazu einmal, man müsse sich eben dem demographischen Wandel anpassen und zu verhindern versuchen, dass die Senioren an den Bodensee abwanderten. Die Architektur, die all diesen Funktionen einen geeigneten Raum geben soll, ist auch nicht der große Wurf, obwohl Architekturbüros von Rang und Namen ihre Spuren auf dem Killesberg hinterlassen werden. Da wären Barkow Leibinger Architekten (Mode-Orderzentrum Scenario), Baumschlager Eberle (Stadtvillen), David Chipperfield Architects (Wohnturm), KCAP (Kees Christiaanse, Terrassenhäuser), Ortner & Ortner Baukunst (Forum K) und Wulf & Partner (Augustinum, bereits fertiggestellt). Kritik hin oder her, ihnen bleibt zu wünschen, dass sie ihre Pläne bald verwirklichen können, denn die Arbeit, die hinter all diesen Entwürfen steckt, ist irgendwann auch einmal ihres Lohnes wert – ganz zu schweigen von all den Büros, die an den Wettbewerben teilgenommen haben und dann nicht zum Zuge kamen. Alles in allem könnte das Projekt Killesberg ein Vorgeschmack darauf sein, was aus den Plänen des familienfreundlichen Wohnens im Rahmen von Stuttgart 21 werden könnte. sh
Die Ausstellung im Wechselraum des BDA (Innenhof des Zeppelin Carré, Friedrichstraße 5) kann noch bis zum 28. Februar zu folgenden Öffnungszeiten besucht werden: Di-Fr 10-13h und 15-18h. Sa+So 11-17h, 13.-16.02.2010 geschlossen.
Weitere Informationen gibt es auf der offiziellen Seite der Stadt Stuttgart und der Seite von "Think K", wie das Projekt mittlerweile genannt wird. |
|  | |  | Film der Woche Anlässlich seines Vortrags im November 2009 in Madrid wurde Toyo Ito interviewed. Hier geht's zum Film dazu. |
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